Crowdfunding

Geld von der richtigen Masse

Im Experteninterview: Alex und Laura von Crowdstrudel sowie Thomas Kriebergegg (CEO Appears), Text: Renate Jantschitsch & Matea Acimovic, Korrektorat: Dr. Karin Gilmore, Art Direction: Lisa Taurer

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Wie finde ich
die richtige
Crowd für mein
Unternehmen?

Wie viele von Euch hatten auch wir schon davon gehört: Eine große Anzahl von Menschen verhilft einem bestimmten, für sie vielversprechend klingenden Projekt zur Realisierung, indem sie ganz einfach Geld zur Verfügung stellen. Der Begriff ist an und für sich ein sehr junger, dabei hat wahrscheinlich jeder von uns schon selbst Crowdfunding betrieben.

Könnt Ihr Euch noch erinnern? Ihr wolltet unbedingt das neue Album Eures Lieblingsinterpreten, hattet aber kein Geld, um es Euch zu kaufen. Oft wurden dann Familie und Freunde abgegrast, um etwas finanzielle Unterstützung gebeten und schnell war dann doch der gewünschte Betrag beisammen. Klingt einfach, im geschäftlichen Alltag ist es das aber überhaupt nicht, geht es doch meistens um weit höhere Beträge, die finanziert werden müssen.

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Tipps zur Umsetzung
einer Crowdfunding Kampagne

Man könnte versuchen, den „analogen Weg“ zu gehen: Zuerst erstellen wir quasi eine eigene Wunschliste mutmaßlicher Finanziers (und natürlich auch diverser Förderstellen) und dann kontaktieren wir alle nach der Reihe. Nicht immer ist dieser Weg von Erfolg gekrönt, denn nicht immer kommt man an diese Finanziers so heran, wie man es sich wünscht.

Dank Internet stehen uns heute aber auch bereits viele Plattformen zur Verfügung, die eine wesentlich breitere Masse ansprechen können. Genau diese Masse an „kleinen Leuten“ macht es aus, dass ein Projekt etwas leichter finanziert werden kann. Hier sollte der Fokus unbedingt auf eine perfekte, leicht verständliche und vor allem authentische Präsentation gelegt werden. Je besser und transparenter ein Projekt dargestellt wird, desto mehr Interesse wird in der Crowd herrschen. Professionelle Hilfe ist hier von unschätzbarem Wert.

Die Plattformen stehen beratend zur Seite, bieten generell standardisierte Abläufe der Projekterstellung und die passende Technologie dahinter, um die Geldflüsse sicher und vertrauensvoll abzuwickeln, aber die erste Community muss man schon selbst mitbringen, um gesehen zu werden.

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Vergesst bei Eurer Kostenplanung nicht, mit einzukalkulieren, dass Kosten für die Plattformgebühren, Transaktionen oder auch etwaige Benefits für die zukünftigen Investoren auf Euch zukommen, und informiert Euch bei Eurer Gemeinde, ob Ihr Förderungen bekommt.

Die meisten Plattformen arbeiten mit einer Fundingschwelle. Das heißt, der veranschlagte Betrag muss durch die Summe der Investoren erreicht werden, um ein erfolgreiches gefundetes Projekt zu werden. Ansonsten fließt kein Geld an den Projektbetreiber. Die vermeintlichen Unterstützer bekommen ihr Geld aber natürlich retour. Deshalb will alles gut überlegt und vorbereitet sein. Die Schwelle darf überschritten werden, jedoch nicht unterschritten. Es geht also wirklich um alles oder nichts!

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Arten von
Crowdfunding

Wie belohnen wir unsere Community für ihre Unterstützung?

Abgesehen von der genialen Idee, die man hat und mit der man Menschen begeistert, kommt man auch nicht drum herum, sich für die künftigen Investoren Benefits zu überlegen. Ist es das Produkt an sich, worum es geht, oder eine Dienstleistung, der mögliche Blick in die Entwicklung oder anderes? Vorsicht: Hier spielen die Kosten für etwaige Herstellung und Versand auch wieder in die Fundingschwelle mit hinein.

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CROWDLENDING

Hierbei bekommt der Investor eine Zinszahlung als Gegenleistung. Beispiel: Ich investiere 100 Euro in ein Projekt meiner Wahl und bekomme dann z. B. 2 % Zinsen. Das bedeutet, ich erhalte nach Anlauf des Projekts 102 Euro zurück. Hierbei fungiert der Investor als eine Art Kreditgeber.

CROWDINVESTING

Statt der Rückzahlung mit Zinsen bietet man den Investoren eine Beteiligung am Unternehmen an. Beispiel: Wer 10.000 Euro in mein Projekt investiert, bekommt 10 % meiner Firma. Dieses Prinzip kennt man von diversen Fernsehsendungen wie „Die Höhle der Löwen“ in Deutschland oder „2 Minuten 2 Millionen“ in Österreich.

CROWDSUPPORTING

Für alle, die wissen, dass sie das Geld nicht aufbringen werden, um es Investoren zeitnah zurückzuzahlen, oder auch nicht wollen, dass Fremde an der eigenen Firma beteiligt sind, gibt es die Möglichkeit des Crowdsupporting.

Der Investor bekommt als Dank ein Geschenk, das für ihn lukrativ sein sollte. Beispiel: Ihr sucht Euch einen passenden Kooperationspartner. Als Gegenleistung für seine Unterstützung wird er dafür bei allen Euren Werbemaßnahmen genannt.

CROWDFUNDING / PRESELLING

Die am häufigsten genutzte Möglichkeit. Produkte werden meist noch vor der Markteinführung der Crowd zu einem günstigeren Preis angeboten bzw. mit Sonderausstattung, um überhaupt in die Fertigung gehen zu können. Das heißt, dass diese Finanzspritze das Unternehmen erst liquide genug macht, um sich eine Serienproduktion leisten zu können. Für die Käufer bedeutet dies aber sehr oft, Geduld mitzubringen und auf das neue Produkt auch mal länger warten zu müssen.

CROWDDONATION

Projekte mit karitativem Hintergrund animieren die Crowd, ganz von selbst Geld zu spenden, ohne dafür eine Gegenleistung zu beanspruchen.

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Ein paar
letzte Tipps

Präsentationscheck

Eine geniale Idee allein reicht meistens nicht aus, damit der Rubel rollt. Andernfalls würde man vielleicht ja auch auf gar keine Fundingmöglichkeit zurückgreifen brauchen. Selten ist es eine Selbstläufergeschichte, im Idealfall ein ständiger Dialog mit der hoffentlich groß anwachsenden Crowd.

Gestaltet Eure Präsentation unbedingt klar und definiert eindeutige, klare Ziele. Beschreibt, was mit dem Geld passieren soll, und dokumentiert natürlich auch danach die gelungene Umsetzung. Investoren, die gut weiter informiert werden, bleiben im Boot. Vielleicht gibt es ja eine nächste Runde.

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Euer Projekt braucht Öffentlichkeit. Das Konzept nur auf die Plattform zu stellen, ist zu wenig. Interessante Start-ups, Ideen, innovative Produkte sind immer ein willkommenes Brot für Journalisten. Die Auswahl der richtigen Medien auf Euer Projekt abstimmen, den Kontakt mit den richtigen Journalisten herstellen und dann auch noch eine entsprechende Pressemappe erstellen – für sich schon sehr viel Aufwand, der sich aber am Ende lohnen wird. Dazu könnt Ihr auch unseren Beitrag zum Thema Pressearbeit lesen, der Euch genau erzählt, wie Ihr hier vorgehen müsst.

Alles ist ja miteinander vernetzt. Deswegen überlegt Euch auch, wie Ihr auf Eurer Homepage oder in Eurem Blog, auf Facebook, Twitter, Instagram oder allein bereits in der E-Mail-Signatur Euer Projekt bewerben werdet. Denn nur wer schon eine Community mitbringt, hat auch Erfolg beim Crowdfunding.

Unter dem Motto „Nur gemeinsam ist man stark“ solltet auch Ihr mit möglichst vielen Menschen schon vorab über Euer Projekt sprechen. Holt Euch Meinungen ein, seid offen für Kritik, noch könnt Ihr jedes kleinste Detail überlegen und ändern. So steigen die Chancen, aus dem Auftritt eine noch größere Crowd zu generieren.

Bilder vermitteln mehr Emotionen als reiner Text. Um Euch wirklich gut und authentisch zu präsentieren, nutzt auch unbedingt die Möglichkeit eines Videos. Scheut Euch nicht, hier professionelle Hilfe zu holen, damit es wirklich ein gelungener Auftritt wird. Auch wenn Smartphones bereits sehr schöne Fotos schießen können bzw. tolle Videoqualität haben, ein Profi weiß dann doch noch ein paar Tricks mehr: richtiger Schnitt, Spannungsaufbau, Musikauswahl etc. Unterm Strich lohnt sich diese Investition. Einfach die Kosten in Eure Fundingschwelle einkalkulieren!

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Das Ziel – euer eigener Weg!
Bleibt euch selbst treu.

Was auch immer an Ratschlägen, Tipps und Tricks auf Euch einprasseln mag, seid Euch bewusst, dass Ihr allein entscheidet, was wichtig und richtig für Euch ist! Es ist Euer Projekt, Ihr seid dafür die Hüter und Beschützer, weswegen auch nur Ihr sagen könnt, was passt und stimmig für Euch ist.